Barbara Ewen stellt uns an dieser Stelle Frauen vor, die Ungewöhnliches geleistet haben und nach denen Strassen und Plätze benannt wurden. Wer waren diese Frauen? Barbara Ewen verrät es uns.
Ein kleines Frauenporträt: „Patente Frauen“
Josephine Cochrane (1839-1913) kannte als wohlsituierte Politikergattin die Spülhände nur vom Hörensagen, dennoch wurden sie ihr Lebensthema. Ständiges Ärgernis war der zerbrochene Abwasch ihres kostbaren Porzellans, der von den Angestellten nach gesellschaftlichen Einladungen in ihrem Haus hinterlassen wurde. Nach wenigen Versuchen sich selbst um den Abwasch zu kümmern, steht für sie fest, dass es einen angenehmeren Weg zu sauberen Tassen geben muss. Praktisch veranlagt biegt sie Drahtkörbe zurecht, zeichnet detaillierte Konstruktionen und entwirft eine ausgeklügelte Mechanik. Kurz nachdem ihre ersten Entwürfe für eine Spülmaschine fertig gestellt sind, verstirbt ihr Mann, als Nachlass ein hoher Schuldenberg .Dies bestärkt sie abermals in dem Vorhaben, ein funktionierendes Gerät auf den Markt zu bringen, 1886 meldet sie ihre arbeitssparende Erfindung, die erste mit Wasserdruck arbeitende Spülmaschine zum Patent an. „Warum ein kleines Vermögen ausgeben, wenn die Hausfrau dies perfekt mit der Hand macht?“ War die verstörte Frage. Zur Weltausstellung in ihrer Heimatstadt Chicago meldete sie sich als Mr. Cochrane an, denn Frauen hatten keine Zulassungschance. Die Lady erhielt den ersten Preis für die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und Zweckentsprechung!!! Somit wurde sie mit ihrer
Erfindung zur Leitfigur in der Küchenarbeitsentlastung.
Die Dortmunder Agnes-Neuhaus-Strasse würdigt mit Ihrer Namensgebung die Lebensleistung der Dortmunderin Agnes Neuhaus (1854 - 1944).
Ihr Elternhaus war stark standespolitisch ausgerichtet, wie auch von sozial-verbandsorientiertem Engagement geprägt Die berufliche Tätigkeit ihres späteren Ehemannes, er war Amtsrichter und damit auch Vormundschaftsrichter, schärfte ihren Blick für soziales Umfeldelend. Durch ihre Initiative wurde 1900 der katholische Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder „Der Gute Hirte" gegründet, das später erbaute Vincenz-Heim entwickelte sich zu einer ersten Zufluchtsstätte für Prostituierte, ledige Mütter und Schwangere in schwierigen Lebenssituationen. A. Neuhaus betrachtete ihre Tätigkeit vornehmlich unter seeisorgerischen Gesichtspunkten mit einer grundsätzlichen Nächstenliebe.
Die um die Jahrhundertwende verbreitete Unterscheidung von würdigen und unwürdigen Armen lehnte sie ab. Die Hilfe sollte bedürfnisorientiert und einstellungsunabhängig sein. Von 1920 bis 1930 wirkte sie als Mitglied des deutschen Reichstages bei der Entstehung wichtiger Gesetze mit, darüber hinaus war sie In vielen Verbänden initiierend und fachlich beratend aktiv und nahm so über ihre politische Parlamentstätigkeit in vielen Gremien mit ihrem sozialen Anliegen Einfluss, „Der Gute Hirte" wurde 1968 zum Sozialdienst Katholischer Frauen umbenannt, noch heute hat er seinen Sitz als Bundeszentrale in der Agnes-Neuhaus-Straße zu Dortmund.
Die Dortmunder Käthe-Kollwitz-Strasse hält die Gedächtniskultur an Käthe Kollwitz (1867-1945) aufrecht.
Schon zu ihren Lebzeiten erhielt K.Kollwitz Ansehen und Anerkennung, sie stellte in Paris, Wien u. Moskau aus. Der Professorinnnentitel wurde ihr zuerkannt, damit wurde sie das erste weibliche Mitglied in der preußischen Akademie der Künste. Ihr Elternhaus (geb. Schmidt) prägte ihr soziales Gedankengut, Käthe wurde in ihrer künstlerischen Begabung akzeptiert und gefördert, sie erhielt Privatunterricht. Die Mehrzahl der Kunstakademien verweigerten Frauen jedoch die Aufnahme. Aufbauend besuchte sie die KünstlerInnenschulen in Bern u. München. Auch nach ihrer Eheschließung mit dem sozialdemokratisch engagierten Arzt „Kollwitz“, und der Geburt ihrer beiden Söhne, blieb sie weiterhin ihrem künstlerischen Beruf treu. Sie verband mit ihrem Kunstschaffen sozial- und gesellschaftskritisches Engagement. Ihr stark mitfühlendes Interesse galt den sozialen Bedingungen der Frauen aus der Arbeiterschicht, auf das Wesentliche reduziert sie in den Zeichnungen ihre Leiden, Kämpfe, Stärken und Schönheiten, dabei wirkt ihre Kunst gänzlich unsentimental, eher sind ihre Werke sozialkritische Appelle, die dem vordergründigen Blick widersprechen, sie fordern heraus, das Bild hinter dem Bild zu sehen!---Das Käthe-Kollwitz Museum in Köln verfügt über den weltweit größten Bestand dieser herausragenden Künstlerin. Eine Fahrt dorthin lohnt sich!
Ein kleines Frauenporträt
Der Dortmunder "Meitnerweg" erinnert an Lise Meitner (1878-1968)
Ein junges "Fräulein" fasst 1898 einen Entschluss: Studium der Physik. Der Familienrat wird einberufen, Lises Entscheidung erörtert, gedreht, gewendet, umgedeutet, sie wenigstens für das weiblichere Fach Kunstgeschichte zu interessieren, vergebens!! Fußkalte, dunkle Experimentierräume, vollgestopft mit Drähten und mitten im chaotischen Durcheinander die tödliche Gefahr: Funkenschlag, Entladung und Elektrizität", kein weibliches Betätigungsfeld!! Doch Lises Entschluss steht fest! Mit spielerischer Leichtigkeit legt sie nach kurzem Studium ihre Doktorarbeit vor, für die Wiener Universität eine historische Sehenswürdigkeit. Aus der Summe ihres Wissens kristallisiert sich eine Vorliebe heraus, die experimentelle Physik, in der Anfangszeit des Atomzeitalters. Sie arbeitet mit Otto Hahn zusammen, man ahnt nichts von beider fachlicher Größe, lässt sie neidlos gewähren, zumal eine Frau in der Kernphysik entweder ein Scherz oder ein Missverständnis sein muss. In langer Forschungsarbeit stehen sie kurz vor einer großen Entdeckung, der Urankernspaltung, Doch L.M. muss Hals über Kopf aus politischen Gründen das Land verlassen, Hahn erkennt kurz darauf allein die wissenschaftliche Sensation und erhält dafür den Nobelpreis! Ein einziges Mal hatte L. Meitner keine Zeit für die Forschungsarbeit, sie musste ihr Leben retten, deshalb steht ihr Name nicht unter den Entdeckungen des Jahrhunderts.
Ein kleines Frauenporträt:„Patente Frauen“
Gab es zu allen Zeiten, viele Menschen verdanken ihren Erfindungen ihr Leben, und häufig nutzen wir ihre Produkte täglich, so auch das Patent von :Melitta Bentz,1873-1950, machte aus Kaffee ein Genuss!
Mit einem brillianten Einfall und 73 Pfennigen verhalf uns die aus Dresden stammende Hausfrau zu einer neuen Kaffeekultur und wurde damit Begründerin eines weltweiten Unternehmens. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts blieb nach einer Tasse Kaffee meist ein bitterer Nachgeschmack. M. B. wollte ihren Kaffee nicht länger mit störenden Kaffeesatz am Tassenboden trinken und ersann eine neue Zubereitungsmethode: mit Hammer und Nagel durchlöcherte sie im Spätherbst 1908 den Boden einer Konservenbüchse und filterte durch ein dafür zurechtgeschnittenes Löschblatt fein gemahlenes Kaffeepulver. Der Kaffee tropfte ohne Rückstände in die darunter geschobene Kanne. Der Filterkaffee war erfunden! Noch im gleichen Jahr meldete die damals 35-jährige die Idee „Kaffeefilter mit nach unten gewölbtem, mit einem Abflussloch versehenen Boden und lose einliegendem Siebe“, zum Patent an.
Ende 1908 gründete Bentz gemeinsam mit ihrem Mann das Familienunternehmen „Melitta“.
Die Firma wurde mit einem Eigenkapital von nur 73 Pfennigen in das Handelsregister eingetragen, heute umfasst die Unternehmensgruppe „Melitta“ rund 50 Gesellschaften.